Datenhamstern ist Unfug – Baden-Württemberg schadet seiner Wirtschaft!

Hervorgehoben

„Daten sind das neue Öl“, wenn dieses Zitat des Economist von 2017 stimmt, dann sind Geodaten „Super Plus“, also ein hochspezielles und besonderes wertvolles Produkt. Das hat Nordrhein-Westfalen früh erkannt und stellt seine Geodaten seit 2017 kostenfrei zur Verfügung.

Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen und Thüringen sind diesem Beispiel gefolgt und ermöglichen so eine immense Wertschöpfungskette in Wissenschaft und Wirtschaft. Räumliche Potentialanalysen, Maschinelles Lernen, Künstliche Intelligenz und Autonomes Fahren sind die ersten Schlagworte, die einem bei freien (Geo-)Daten in den Sinn kommen. Aber auch traditionelle Anwender von Geodaten, wie Architekten und die Bau-Branche, profitieren stark von dieser Entwicklung.

GeoBasisNRW stellt seine Daten komplett und in gängigen Geodatenformaten bereit, nicht aber für jede Fachanwendung aufbereitetet und gefiltert. Das ist auch vollkommen in Ordnung, die möglichen Einsatzszenarien und die damit verbunden Softwareprodukte und Datenformate wachsen täglich.

Neulich rief mich jemand an der mit seinem 3D-Drucker eine Lampe in Form der Stadt Essen erstellen wollte, das zuständige Katasteramt konnte ihm leider nicht weiterhelfen. Hier sind wir Praktiker und die Softwarehersteller gefragt die Daten entsprechend weiter zu veredeln.

Ein Beispiel hierfür ist mein Portal www.Flurkarte-NRW.de. Hier lassen sich Katasterkarten und Geländemodelle als DXF, dem Industriestandard für den Austausch von CAD-Daten herunterladen. Eine solche Aufbereitung durch ein Katasteramt würde jeweils 30 – 50 € kosten. Die 6363 kostenlosen Downloads, welche ich im März 2022 für NRW verzeichnen konnte, haben als einen ungefähren Gegenwert von 190.890 €. Bei anhaltend hoher Nutzung schenken das Land NRW und ich den Architekten dieses Jahr als Daten im Wert von 2,3 Mio. Euro!

Doch wie handhaben es andere Bundesländer? Was würde die Benutzung der Daten einen Dienstanbieter wie mich kosten? Diese Frage hat mich schon im letzten Jahr beschäftigt und ich habe bei den zuständigen Landesbehörden einfach mal nachgefragt.

In Mecklenburg-Vorpommern beziffert man die anfallende Gebühr mit ca. 400.000 €. Stolze 771.581,15 € möchte Niedersachsen für seine Daten haben, einsamer Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit 1,9 Mio. Euro!

OpenData kann ein Weg aus der Krise sein!

Die Beschaffung von Planunterlagen gehört, als Teil der Grundlagenermittlung, zur ersten Leistungsphase der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Hier sollten mögliche Auswirkungen der aktuellen Krise, sofern sie das Baugewerbe betreffen, also als erstes bemerkbar werden.

Deshalb freut es mich umso mehr, für den Monat März, mit 2016 kostenlosen Abrufen von Flurkarten im DXF-Format, die zweit stärkste Nutzung, seit Gründung des Portals www.flurkarte-nrw.de im Jahr 2018, verkünden zu können.

Mitnichten können diese Zahlen als repräsentativ für die Baubranche angesehen werden, aber sie sind ein positives Signal und sollten die Geodaten-Verantwortlichen in den Bundesländern zum Grübeln bringen.

Die kostenlose Aufbereitung, der vom Land NRW unter der freien Lizenz „Datenlizenz Deutschland – Zero – Version 2.0“ bereitgestellten Daten, durch mein Portal, hat die Architekten und Architektinnen die www.flurkarte-nrw.de nutzen, alleine im März 2020 über 60.000 € an Gebühren erspart.

Eine flächendeckende, kostenlose Bereitstellung von amtlichen Geobasisdaten in ganz Deutschland, ist technisch leicht zu realisieren und könnte den Unternehmen und damit die Bürgerinnen und Bürger jährlich Millionen von Euro an Gebühren ersparen.

Stattdessen werden die Daten, deren Erhebung bereits durch Vermessungsgebühren finanziert wurde, in vielen Bundesländern noch gehütet wie ein Schatz. Dies aktuelle Krise sollte genutzt werden um mit diesem Missstand aufzuräumen.

Daten sind das Gold unserer Zeit und die Länder sitzen auf einem Berg voll Daten-Erz, den Sie selber nicht veredeln können. Dieser Schatz gehört den Bürgerinnen und Bürgern und sollte darum allen frei Zugänglich sein.

OpenData ist sicher kein Allheilmittel, aber wenn darüber nachgedacht wird, den Unternehmen dieses Landes zu Helfen um durch die Krise zukommen, dann sollte dieses gewaltige Potential nicht vernachlässigt werden. Aus diesen Daten könnte an vielen Stellen ein volkswirtschaftlicher Mehrwert generiert werden, der die Kosten für die Bereitstellung weit übertrifft!